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Vertrieben-verloren-verteilt

© vintage germany, Foto Theodor Scheerer
© vintage germany, Foto Theodor Scheerer

Unter dem Titel Vertrieben - verloren - verteilt. Drehscheibe Pöppendorf 1945–1951 beschäftigt
sich eine neue Sonderausstellung im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk ab dem 28.
Oktober 2018 bis zum 28. April 2019 mit dem größten Flüchtlingsdurchgangslager Norddeutschlands
im Waldhusener Forst.

Die Geschichte beginnt etwa ein halbes Jahr nach Kriegsende im Herbst 1945 und endet nach 5 1/2 Jahren Dauer mit der Lagerauflösung im Frühjahr 1951. Mehr als eine halbe Millionen Vertriebene fanden aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Aufnahme. Die Ausstellung veranschaulicht das Lager durch bisher unveröffentlichtes Bildmaterial, Zeugenaussagen und wertvolle Erinnerungsstücke. Es wird die Problematik von Flucht und Vertreibung der Deutschen als unmittelbare Folgen des Krieges und die damit verbundene Bevölkerungsverschiebung aufgegriffen. Foto: © Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck

Vor rund siebzig Jahren gab es eine Flüchtlingswelle. Damals klagten die Schleswig-Holsteiner: „Seit Monaten ist diese Flut von Flüchtlingen in unser Land geströmt und droht unseren nordischen Volkscharakter zu ersticken oder doch ihn biologisch zu überfremden.“ Bis Kriegsende waren hunderttausende
von Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten bereits nach Schleswig-Holstein geflohen. Im Herbst 1945 begannen dann die Vertreibungen der Deutschen und es folgten weitere Hunderttausende. Ihr Ziel: Pöppendorf. Foto: © Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck

Pöppendorf, das verbindet man mit dem dortigen Hünengrab, dem Ringwall und dem beschaulichen Dorfe, und in jüngerer Zeit auch mit dem Schicksal der Exodus-Juden, aber mit Hundertausenden von Flüchtlingen und Vertriebenen? Im Waldhusener Forst, zwischen dem alten Bahnhof Kücknitz und Pöppendorf, befand sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das größte Flüchtlingsdurchgangslager Norddeutschlands. Zwischen Ende 1945 und Anfang 1951 fanden hier mehr als eine halbe Million Vertriebene aus den ehemaligen
deutschen Ostgebieten Aufnahme. Errichtet wurde das Lager auf Anweisung der Britischen Militärregierung, die den Ort zunächst seit Juli 1945 als Entlassungslager für die fast 80.000 Wehrmachtangehörigen der deutschen Norwegen-Armee eingerichtet hatten. Die ersten Vertriebenen trafen im November des Jahres ein.

Dieser stille Ort im Wald war damals eine Drehscheibe für die Verschiebung riesiger Menschenmengen aus Danzig, Königsberg oder Stettin in den gesamten norddeutschen Raum. 1946 wurden das ganze Jahr über durch das Lager täglich bis zu 3.000 Menschen durchgeschleust. Es war eine gewaltige
logistische Leistung, diese Menschen aufzufangen, zu versorgen und an einen sicheren Bestimmungsort weiterzuleiten. Über die Aufnahme der Flüchtlinge und Vertriebenen hinaus musste der Transport zehntausender von Menschen von einer Besatzungszone in die andere organisiert werden.
Durch die Auswirkungen des Krieges waren Millionen Deutsche nicht an ihrem Wohnort; die Suche
nach Angehörigen bestimmte ihren Alltag. Im Frühjahr 1947 waren die Aufnahmekapazitäten in den
Städten und Kreisen Schleswig-Holsteins erschöpft und die nun eintreffenden Flüchtlinge verblieben
teilweise Wochen und Monate lang im Lager.

Industriemuseum Geschichtswerkstatt

Kokerstraße 1-3
23569 Lübeck

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