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Mein Fußballjahrhundert

Günter Grass als Fußballfan

Ab 16. März widmet sich das Günter Grass-Haus mit der Sonderausstellung „Günter Grass: Mein Fußballjahrhundert“ einer eher unbekannten Leidenschaft des Literaturnobelpreisträgers: Grass war ein leidenschaftlicher Fußballfan, der samstags regelmäßig die „Sportschau“ sah und auch ins Stadion ging. Grass hielt den „kleinen“ Vereinen wie dem SC Freiburg oder dem FC St. Pauli die Daumen. Auch in seinem Werk taucht der Fußballsport häufiger auf. Anlässlich der Europameisterschaft 2020 zeigt die Ausstellung des Günter Grass-Hauses und des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund nun bis zum 30. August 2020 Arbeitspläne, Manuskriptfassungen, Gedichte als Wand- und Hörtexte, Aquarelle sowie zahlreiche Recherchematerialien zu den Werken von Günter Grass rund um die beliebte Sportart, beleuchtet aber auch die sozialen, politischen, wirtschaftlichen, historischen und kulturellen Dimensionen des Fußballsports in Deutschland.

Die Highlights

Zu den Highlights zählen wertvolle Leihgaben wie der Ball aus dem WM-Endspiel des "Wunders von Bern" 1954 und das Originaltor des legendären Spiels zwischen Brasilien und Deutschland (1:7) bei der WM 2014.

Mittelpunkt der Ausstellung ist das Buch "Mein Jahrhundert" aus dem Jahr 1999, in dem Grass sich in 99 Erzählungen an "sein" 20. Jahrhundert erinnert. Die Schau ist in jene drei Kapitel, in denen er den Fußball thematisiert hat, unterteilt: die Jahre 1903, 1954 und 1974. Neben den Manuskripten und Geschichten als Audio- und Videolesungen sind darin Exponate zu sehen, die eine Rolle in den Texten von Grass spielen und zugleich für das jeweilige Kapitel der Fußballgeschichte stehen.

1903: Ausgestellt ist beispielsweise die Reproduktion einer Eintrittskarte vom ersten Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft, das Grass zum Anlass seines Kapitels nahm. Grass geht mit seinem Text zu den Anfängen des institutionalisierten Fußballsports zurück, der damals kurz nach der Gründung des DFB im Jahr 1900 noch in den Kinderschuhen steckte. Gezeigt wird zudem die Reproduktion eines Plakats, mit dem der DFB die Vereine dazu bringen wollte, wie von Grass angedeutet künftig deutsche Begriffe für das Fußballspiel zu verwenden. Des Weiteren sind Fußballschuhe des Spielers Fritz Szepan ausgestellt. Grass erwähnte Szepan, der in den 1930er und 1940er Jahren einer der besten Spieler in Deutschland war, in einer Art Ausblick am Textende und verwies damit auf den Anteil von Migranten an der deutschen Sportgeschichte.
Highlight hier ist außerdem ein Teil des Kaffee-Services (Tasse, Untertasse und Teller), das die Nationalspielerinnen 1989 an Stelle einer Geldprämie für den ersten EM-Gewinn erhielten. Stellvertretend für die Diskriminierungsgeschichte des Frauenfußballsports ist außerdem ein Ausschnitt aus dem ZDF-Sportstudio mit Moderator Wim Thoelke zu sehen.
  • 1954: Der Text von Grass fokussiert im Wesentlichen zwei herausragende Spieler des WM-Finales von 1954: den deutschen Kapitän Fritz Walter und den ungarischen Star Ferenc Puskás.

  • Gezeigt werden außerdem Beispiele für die damalige Vermarktung; von Werbepostkarten von Fritz Walter über eine Fritz-Walter Sektflasche bis hin zu Büchern, die Walter geschrieben hat.

  • 1974: In diesem Kapitel verband Grass das WM-Spiel der BRD gegen die DDR mit der Guillaume-Affäre desselben Jahres.

  • So wie Guillaume bei Grass in seiner Gefängniszelle, sehen die Besucher:innen hier einen Ausschnitt des WM-Spiels mit dem 1:0 Siegtreffer der DDR über die BRD.

  • Außerdem werden zwei Trikots der damaligen Spieler Uli Hoeneß (BRD) und Hans-Jürgen Kreische (DDR) sowie die Schiedsrichterpfeife vom Endspiel der WM 1974, aus dem die BRD gegen die Niederlande als Weltmeister hervorging, gezeigt.

  • Durch seinen Zuspruch für den Frauenfußball wird auch dieser dargestellt

All diese Exponate sind Leihgaben des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund. Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der LÜBECKER MUSEEN, zeigt sich erfreut, durch die Zusammenarbeit mit dem Fußballmuseum das Werk von Günter Grass aus einer völlig neuen Perspektive beleuchten zu können.
Im September 2020 wird die Ausstellung dann im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund eröffnet.

Begleitprogramm
Führungen
Öffentliche Führung „Heimspiel“
Von April bis August jeweils sonntags, 14 Uhr, 12 Euro

„Training“
Exklusive Vorabbesichtigung für die Freundeskreismitglieder des Günter Grass-Hauses mit
Museumsleiter Dr. Jörg-Philipp Thomsa
Samstag, 14. März, 15.30 Uhr

Workshops für Kinder ab 7 Jahren
„Volltreffer“
Gestaltung einer 3D-Karte mit Fußball-Motiv
Samstag, 25. April, 14 Uhr, 12 Euro

„Trikottausch“
Gestaltung eines persönlichen Trikots
Samstag, 27. Juni, 14 Uhr, 12 Euro

Großes Kinderfest, Thema: „Feuer und Flamme“
Wofür brenne ich? Für Fußball, Lesen, Politik?
Samstag, 11. Juli und Sonntag, 12. Juli, 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei

Sommerferien-Aktion mit dem Jugendhaus Röhre für Kinder ab 9 Jahren „Anpfiff“
Kicker- und FIFA-Turnier um kleine Preise inklusive Führung durch die Ausstellung
Mittwoch, 5. August, 10 bis 13 Uhr, 6 Euro

Live-Übertragungen der UEFA EURO 2020
„Länderspiel“
Übertragung der Spiele
Deutschland – Frankreich (Dienstag, 16. Juni, 21 Uhr)
Deutschland – Portugal (Samstag, 20. Juni, 18 Uhr)
Spanien – Polen (Samstag, 20. Juni, 21 Uhr)
Deutschland – ? (Mittwoch, 24. Juni, 21 Uhr)
Live-Übertragungen im Garten des Günter Grass- und Willy Brandt-Hauses mit Gesprächen zwischen Hendrik Große-Homann und Dr. Jörg-Philipp Thomsa über die Länderspielgegner und ihre Beziehungen zu Günter Grass und Willy Brandt. Jeweils eine Stunde vor dem Anstoß präsentieren Schauspieler Andreas Hutzel (als Günter Grass) und Dr. Jörg-Philipp Thomsa die Sonderausstellung. Die Teilnahme beträgt 12 Euro.
Weitere Informationen unterwww.grass-haus.de

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