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Doris Salcedo

Highlight 2019

Die international renommierte Künstlerin Doris Salcedo (*1958) beschäftigt sich in Objekten, Skulpturen und großen ortsspezifischen Installationen mit den Aus-wirkungen von Gewalt und Ausgrenzung in ihrer Heimat Kolumbien und anderen Regionen der Welt. Nach Ausstellungen in der Tate Modern (London 2007) und im Guggenheim Museum (New York 2015) richtet die Kunsthalle St. Annen in Lübeck vom 7. September bis 3. November ihre erste Einzelausstellung in Deutschland aus.

Die international renommierte Künstlerin Doris Salcedo (*1958) beschäftigt sich in Objekten, Skulpturen und großen ortsspezifischen Installationen mit den Aus-wirkungen von Gewalt und Ausgrenzung in ihrer Heimat Kolumbien und anderen Regionen der Welt. Nach Ausstellungen in der Tate Modern (London 2007) und im Guggenheim Museum (New York 2015) richtet die Kunsthalle St. Annen in Lübeck vom 7. September bis 3. November ihre erste Einzelausstellung in Deutschland aus.
Die kolumbianische Künstlerin Doris Salcedo erhält in Lübeck den ersten Possehl-Preis für Internationale Kunst und wird mit einer Werkschau in der Kunsthalle St. Annen geehrt.
von links sitzend: Dr. Oliver Zybok Ausstellungskurator, Doris Salcedo Künstlerin, Max Schön Vorsitzender Possehl-Stiftung, Dr. Antje-Britt Mählmann Leiterin Kunsthalle St. Annen

Die Ausstellung "Tabula Rasa" 7.9. bis 3.11.2019

In ihrer aktuellen, in der Ausstellung vertretenen, Werkreihe "Tabula Rasa I-IV" setzt sich Salcedo künstlerisch mit Vergewaltigungen auseinander, die viele Frauen während des kolumbianischen Bürgerkriegs und der bis heute anhaltenden Gewaltherrschaft erlitten haben. Für diese Installation hat sie Tische, Symbole für das Leben und Wohnen, zerstört und in einem kleinteiligen Arbeitsprozess mit Leim wieder zusammengefügt. Die wiederhergestellten Objekte zeigen deutliche Spuren ihrer Vernichtung. Den Alltagsobjekten wird auf materielle wie metaphorische Weise die Unmöglichkeit eingeschrieben, einen einmal begangenen Gewaltakt wieder rückgängig zu machen.

Wo Andere sich abwenden, beginnt Salcedos Arbeit, sie recherchiert vorher genau, bevor sie in die künstlerische Umsetzung geht: Mit großer Sensibilität thematisiert sie in ihren Skulpturen und Installationen die tragischen Folgen von Gewalt als Konsequenz politischer und ökonomischer Herrschaftsansprüche und führt dabei den Betrachter auf die emotionale Ebene der Opfer und ihrer Angehörigen. Der seit fünf Jahrzehnten währende, bürgerkriegsähnliche Konflikt in ihrer Heimat Kolumbien ist Ausgangspunkt zahlreicher Projekte Salcedos. Ihre Kunstwerke sind Anti-Monumente, Zeugnisse von Folter, Verlust und Traumata.

I. Tabula Rasa

Die vor kurzer Zeit entstandene Werkreihe "Tabula Rasa" stellt eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Vergewaltigung dar. Doris Salcedo setzt sich zusammen mit den Opfern mit den Folgen von Vergewaltigungen auseinander, die viele Frauen während des kolumbianischen Bürgerkriegs und der bis heute anhaltenden Gewaltherrschaft erleiden mussten.

II. Thou-Less

Die Installation "Thou-Less" erinnert an den Guerilla-Überfall auf den Justizpalast in Bogotá im Jahr 1985. Das Gebäude wurde an einem regulären Gerichtstag von einer Guerilla besetzt, die zahlreiche Angestellte sowie Zivilisten tötete und hunderte als Geiseln nahm. Die Regierung beendete diese Geiselnahme mit Gewalt, nachdem die Armee das Gebäude mit einem großen Aufgebot Panzern und Truppen gestürmt hatte.

III. A Flor de Piel

Die 2012-2013 entstandene Arbeit "A Flor de Piel" von Doris Salcedo geht auf die Geschichte einer kolumbianischen Krankenschwester zurück, die in ihrem Leben große Hürden gemeistert hatte, dann gekidnappt und zu Tode gefoltert wurde. "A Flor de Piel" ist ein spanischsprachiges Idiom, das starke Emotionalität ausdrückt, vergleichbar mit dem deutschen Ausdruck, dass jemand "seine Gefühle offen zur Schau stelle". In ihrer zarten Struktur ähneln die Rosenblätter der menschlichen Haut und stehen symbolisch trotz oder gerade wegen ihrer fragilen Schönheit für den geschundenen Körper der Krankenschwester.

IV. Disremembered

Die Stoff-Arbeiten "Disremembered", die von Doris Salcedo zwischen 2014 und 2015 gefertigt wurden, erinnern an das Leid und den Verlust von Menschen in den USA. Interviews mit Müttern aus Chicago, die ihre Kinder aufgrund von Waffengewalt verloren, waren der Ausgangspunkt zu dieser Serie. Ein gesellschaftlicher Mangel an Empathie - speziell gegenüber Gangmitgliedern - verhindert, dass dieser Verlustschmerz von anderen anerkannt wird.

V. Plegaria Muda

Der Titel der Werkgruppe "Plegaria Muda" von Doris Salcedo bedeutet frei übersetzt "stilles Gebet". Das Gebet richtet sich zum einen an die Toten der Bandenkriminalität von Los Angeles, die Salcedo längere Zeit erforscht hatte, zum anderen werden auch Bezüge zu den zahlreichen Zivilisten in Kolumbien hergestellt, die umgekommen oder verschwunden sind. Die Gangs in Los Angeles sind eine gesellschaftliche Randgruppe, deren Verlust von weiten Teilen der Bevölkerung als nebensächlich angesehen wird.

Informationen zur Possehl-Stiftung zum Possehl-Preis für Internationale Kunst

Die Possehl-Stiftung ist benannt nach dem Lübecker Unternehmer und Senator Emil Possehl (1850-1919). In seinem Testament vermachte er seine Firma L. Possehl & Co. GmbH der Possehl-Stiftung. Entsprechend ihrer Satzung fördert die Possehl-Stiftung seit 100 Jahren "die Erhaltung des schönen Bildes der Stadt und ihrer Anlagen, gemeinnützige Einrichtungen, die Jugend, die Pflege von Kunst und Wissenschaft und die Linderung der Not der Bedürftigen" in Lübeck. Die Stiftung unterstützt damit auf umfangreiche Weise die Entwicklung des Gemeinwesens in der Hansestadt.

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